Kann Sport süchtig machen?

SuperMenU/ Juli 16, 2017/ Fitness, Sport, Training

Ein Gastbeitrag von  Ulrich Weller

Heilpraktiker für Psychotherapie

Dozent Paracelsus-Schulen Essen

www.seelen-werk.com 

Uli Weller
 
Gibt es keine medizinischen Bedenken, ist Bewegung/Sport eine tolle Sache, Körper und Seele mit Wohlbefinden zu fluten. Beispielsweise ist „Laufen“ therapeutisch gut nutzbar bei nicht zu schwer ausgeprägten depressiven Verstimmungen, Essstörungen, psychoonkologischen Interventionen, koronaren Herzerkrankungen, Bluthochdruck etc…! Ich bin ein überzeugter Anhänger dieser Therapieform, will aber auch auf eine Schattenseite eingehen:

Die SPORTSUCHT

Wie jedes andere Verhalten kann auch Sport in die (nicht stoffgebundene) Abhängigkeit führen. Klar, diese Sucht ist schwer zu diagnostizieren, und offiziell in Deutschland auch nicht als psychische Störung anerkannt. Trotzdem kann man davon ausgehen das 1% der Deutschen süchtig nach sportlicher Aktivität sind. In der USA hat man sich ausführlicher mit der Thematik befasst und ist zu dem Ergebnis gekommen, das abhängige Betreiben von Sport als Krankheit anzuerkennen. Auffällig waren hier besonders die „PERMANENT RESIDENTS“, die Dauerbewohner von Fitness-Studios. Als besonders gefährdet gelten junge Erwachsene bei denen folgende Persönlichkeitsmerkmale auffielen:

  • Verzerrte Selbstwahrnehmung
  • Mangelnder Selbstwert 
  • Hohe Leistungsmotivation
  • Perfektionismus 

Lange Trainingseinheiten,  Leistungsdruck und Erfolgserlebnisse „befeuern“ meist die Sportsucht. Wie bei jedem anderen Suchtverhalten, dreht sich in der fortgeschrittenen Phase alles nur noch um Planung und Durchführung der Aktivitäten. Exzessives Training verbunden mit völliger Erschöpfung, mit zum Teil daraus folgenden Verletzungen und Blessuren. Die KONTROLLE über das Ausmaß der sportlichen Betätigung geht verloren. Wer den Sportsüchtigen an seiner Aktivität hindert, provoziert klassische Entzugserscheinungen: Aggression, Nervosität, Schlafstörungen, Schuldgefühle und z.T. Depressionen.
Auch der Körper leidet mit. Ein geschwächtes Immunsystem kann so manchen Infekt nicht mehr stoppen. Der Bewegungsapparat ist geschunden. Muskeln, Sehnen, Bänder und Knochen oft irreparabel geschädigt. Willkommen auf der orthopädischen Geisterbahn. Über DAS was süchtig macht herrscht keine genaue Meinung:

  • Mit der Aktivität Probleme beherrschen und ihnen davonzulaufen.
  • Der schmerzlindernde und euphorisierende Endorphin-Kick (z.B. RUNNER HIGH).
  • Die Illusion der körperlichen Unbesiegbarkeit erleben.
  • Dem gesellschaftlichen Druck des momentanen Schönheitsideals (schlank, muskulös, mediengerecht) zu entsprechen.

Stets gepusht durch Anerkennung und diversen Erfolgserlebnissen. Substanzen die den Muskelaufbau, die Fettverwertung und Stoffwechselvorgänge beeinflussen bringen den Teufelskreis dann so richtig in Schwung und Bewegung.

Behandlung

Verhaltenstherapie, Kontrolle über Leistung und Regeneration, Sporttagebuch, Wechsel zu Gruppen/Mannschaftssportarten ( Kontrolle innerhalb der Gruppe).

Aber es gibt auch eine gute Nachricht. Im Gegensatz zu vielen anderen Süchten, wie z.B. Alkohol beim Abhängigen (trockenen Alkoholiker) lebenslang verboten bleibt, darf der ehemals Sportsüchtige seinem Bewegungsdrang, nach einer Therapie, wieder kontrolliert und in Maßen nachgehen. 
Die Menge macht es eben!

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