Die „Milchmädchenrechnung“: Ist Milch ungesund ? (Teil II)

C.Buchheister/ April 11, 2018/ Ernährung, Lebensmittel

In meinem letzten Beitrag: Ist Milch ungesund? (Teil I) habe ich über die verschiedenen Milchsorten aufgeklärt und worauf man beim Einkauf achten sollte. Im 2. Teil geht es diesmal um die Frage, ob Milch unserer Gesundheit schadet oder nutzt!?
Schauen wir uns die Argumente für und gegen die Milch mal genauer an!

Die Argumente der „Milch-Befürworter“

Die -besonders in Biomilch enthaltenen hohen Anteile an gesunden Omega-3-Fettsäuren, hochwertigem Eiweiß, Vitaminen, Mineralstoffen und Spurenelementen, machen die Milch zu einem wertvollen Grundnahrungsmittel. Als wichtige Kalziumquelle soll sie das Osteoporoserisiko vermindern und die fettarmen Varianten können, laut einer australischen Studie, den Blutdruck senken. Kinder die viel Milch trinken, werden im Durchschnitt 1,5 cm größer als Kinder, die nur wenig davon konsumieren oder rein pflanzlich ernährt werden. Ob das ein Vorteil ist, bleibt fraglich?

Die Argumente der „Milchgegener“

Milch fördert die Entstehung von Krankheiten

Die Wachstumsfaktoren in der Kuhmilch sind für das Heranwachsen der Kälber und nicht für den Menschen, schon gar nicht den Erwachsenen, geeignet. Wir sind die einzigen Lebewesen, die Milch von anderen Tieren trinken (Food-Trend: Paleo). Vor allem die Entstehung von Krebs (z.B. Prostatakrebs, Brustkrebs), aber auch Diabetes, Übergewicht, Allergien, Asthma, Akne und Neurodermitis….soll durch den regelmäßigen Verzehr von Kuhmilch, insbesondere bei Kindern, begünstigt werden. Als mögliche Ursache werden die enthaltenen artfremden Proteine, (Wachstums-) Hormone und Enzyme diskutiert. Der Konsum von Rohmilch und von Kühen aus artgerechter Haltung zeigt allerdings statistisch ein vermindertes Risiko für Infektionen und Allergien!

Lactoseintoleranz

Milchzucker (= Lactose ) wird von vielen Menschen nicht vertragen, weil ihnen das für die Aufspaltung im Darm notwendige Enzym Lactase fehlt oder durch verschiedene Ursachen deaktiviert ist. Eine Lactoseintoleranz ist durch die evolutionäre Anpassung an den Milchkonsum zwar nur bei ca. 15% der Deutschen nachweisbar, aber weltweit liegt er bei ca. 75 %! Durch die fehlende, bzw. unzureichende Verdauung kommt es zu Blähungen, Bauchkrämpfen und Durchfällen. Laktosefreie Produkte oder saure, fermentierte Milchprodukte (z.B. Joghurt, Sauermilch), sowie lang gereifter Käse, die wegen des geringeren Michzuckergehalts besser vertragen werden, sind die Alternativen. Wer an einer Kuhmilchallergie (nicht Intoleranz!) leidet, muss gänzlich auf Milchprodukte verzichten und auf pflanzliche Alternativen ausweichen.

Gefahr der Osteoporose

Milch und das darin enthaltene Kalzium schützt vor Osteoporose?! Die aktuelle Studienlage widerspricht diesem angeblichen Vorteil leider. Genau das Gegenteil scheint der Fall zu sein und  einige Untersuchungen zeigen sogar eine erhöhte Sterblichkeitsrate bei Milchkonsumenten, die täglich mehr als 3 Gläser Kuhmilch trinken (hier geht es zur entsprechenden Studie).
Außerdem kann ein hoher Anteil an tierischen Proteinen (wie in der Milch) eine Übersäuerung hervorrufen. Zum Ausgleich des Säure-Basen-Haushalts wird dann das wertvolle Kalzium wieder aus dem Knochen herausgelöst und die Osteoporose-Gefahr steigt. Kalzium steckt alternativ auch in vielen anderen, gesunden und vor allem pflanzlichen Lebensmitteln, wie grünem Gemüse (Spinat, Brokkoli, Grünkohl, Lauch, Kohlrabi…), Nüssen, Sojabohnen und kalziumhaltigem Mineralwasser.

Außerdem ist der Einbau von Kalzium in die Knochen stark abhängig von einer ausreichenden Vitamin D-Zufuhr, bzw. dessen Produktion in der Haut durch Sonneneinstrahlung. Osteoporose ist laut Milchgegnern, also eher ein Problem der zu „sauren“ Ernährung und eines Vitamin D-Mangels, als eines unzureichenden Milchkonsums.

Dass die Milch die Wirkung einiger Medikamente herabsetzen kann, liegt übrigens auch an dem enthaltenen Kalzium, das sich mit bestimmten Wirkstoffen verbindet, die somit nicht mehr vom Darm aufgenommen werden können.

Industrielle Verarbeitung

Wie in meinem letzten Beitrag ausführlich dargelegt, ist die Milch in den Supermarktregalen, vor allem die H-Milch, stark industriell verarbeitet. Durch Wärmebehandlung (Pasteurisierung, Ultrahocherhitzen), Homogenisierung und Mikrofiltration soll Milch haltbarer gemacht werden. Biomilch ist hier auf jeden Fall der bessere Kompromiss, weil sie weniger Schadstoffe, Antibiotika aber auch mehr wichtige Nähstoffe enthält und die Tierhaltung artgerechter ist.

Förderung von Entzündungen

Die im Milchzucker enthaltende Galaktose wird für die Entstehung chronischer Entzündungen mitverantwortlich gemacht.

Fazit

Wer Milch gut verträgt, sie in Maßen verzehrt (200-250g/Tag) und die weniger verarbeiteten Vollfett-Varianten und Biomilch wählt, braucht sich keine Sorgen um seine Gesundheit zu machen. Allerdings sind alle wichtigen Inhaltsstoffe auch durch andere Lebensmittel in ausreichendem Maße zuführbar. Das Osteoporoserisiko kann laut aktueller Studienlage durch den Verzehr von Milch und anderen kalziumhaltigen Nahrungsmittel wohl nicht gesenkt werden. Durch einen erhöhten Milchgenuss scheint sogar die Knochenbruchrate im Alter anzusteigen! Vergärte und saure Milchprodukte (Joghurt, Quark, Kefir, Buttermilch..), sowie lang gereifter Käse werden aufgrund des geringeren Milchzuckeranteils besser vertragen. Jeder sollte seinen Milchkonsum aufgrund der unsicheren Studienlage zumindest überdenken und gelegentlich auf  Milchalternativen zurückgreifen, die ich im nächsten Beitrag vorstellen werde.

Die „Milchmädchenrechnung“: Ist Milch ungesund ? (Teil I)