Food-Trend: Fleischlos glücklich? Leben Vegetarier gesünder?

C.Buchheister/ März 25, 2018/ Ernährung, Food-Trends, Veganer, Vegetarier

Immer mehr Menschen entscheiden sich aus unterschiedlichen Gründen dafür, auf tierische Produkte zu verzichten!
Lebt man als Vegetarier oder Veganer gesünder? Und worauf muss ich bei einer Ernährungsumstellung auf pflanzliche Kost achten?

Die verschiedenen Formen

Flexitarier

Bei dieser Gruppe landet nur selten ein Stück Fleisch oder Fisch auf dem Teller. Flexitariern geht  es meist um eine gesunde, bewusste Ernährung mit ausgesuchten hochwertigen Produkten.

Ovo-Lacto-Vegetarier

Sie verzichten auf Fleisch, Fisch & Meeresfrüchte und halten sich an rein pflanzliche Nahrungsmittel und Produkte nur von lebenden Tieren (Milch – und Milchprodukte, Eier, Honig).

Ovo-Vegetarier

Sie verzichten zusätzlich auf Milchprodukte, Eier werden aber verzehrt.

Lacto-Vegetarier

Diese Gruppe meidet neben Fleisch und Fisch auch Eier! Milchprodukte sind erlaubt!

Pescatarier

Nur Fleisch ist hier tabu! Fisch, Milchprodukte, Eier und Honig aber möglich!

Veganer

Die vegane Lebensform verzichtet auf alle Lebensmittel tierischer Herkunft (auch in Zusatzstoffen) und meist auch auf andere Gebrauchsprodukte von Tieren wie Leder, Wolle, Daunen….

Rohköstler

Das ist eine besondere Form des Veganismus, in der zusätzlich auch auf das Kochen und Erhitzen der Nahrung verzichtet wird!

Frutarier

Eine weitere extreme vegane Ernährungs-Form in der sogar darauf verzichtet wird Lebensmittel zu essen, die der Pflanze Schaden zufügen können. Nur Fallobst, Nüsse und Samen stehen auf den Speiseplan. Manche Frutarier akzeptieren aber Honig.

„Puddingvegetarier“

Das sind die leider sehr häufig anzutreffenden Vegetarier die nicht aus gesundheitlichen Gründen diese Ernährungsform gewählt haben und deren Speisenauswahl hauptsächlich aus stark industriell bearbeiteten vegetarischen und veganen „Nachbauten“ und Fertigprodukten besteht.

Pulled Pork aus Soja

Die unterschiedlichen Gründe

Warum wird man Vegetarier oder Veganer? Die Gründe sind vielfältig, hier ein kleiner Überblick:

Ethische Gründe

Die generelle Ablehnung des Tötens von Tieren und vor allem die grausamen Bedingungen in einer Massentierhaltung lassen viele Menschen zu einer vegetarischen oder sogar veganen Lebensform übergehen. Die oben beschriebenen extremen veganen Formen verurteilen auch das Beschädigen von Pflanzen zum Zwecke der Nahrungsgewinnung.
In diese Rubrik fallen auch religiöse Gründe.

Ökologische Gründe

Neben den ethischen Gründen ist auch die ökologische Belastung z.B. durch die weltweite Massentierhaltung für viele Vegetarier ein ausschlaggebender Beweggrund. Diese Anlagen produzieren großen Mengen an Treibhausgasen (Klimawandel) und verseuchen Böden, Grundwasser und Gewässer. Für die Futtermittelindustrie werden Regenwaldbestände großflächig abgeholzt oder andere wertvolle Landschaftsgebiete und Biotope zerstört, bzw. als Weideland genutzt.

Kosmetische Gründe

Eine vegetarische Kost kann durch die Reduzierung der tierischen Fett -und Eiweißaufnahme zu einer gewünschten Gewichtsreduktion führen.

Geschmackliche Gründe

Es gibt auch Menschen, denen Fleisch und tierische Produkte nicht schmecken oder die sich davor sogar ekeln!

Gesundheitliche Gründe

Viele Zivilisationskrankheiten sind ernährungsbedingt und werden auch zu einem großen Teil auf den übermäßigen Fleisch-und Wurstkonsum zurückgeführt. Zahlreiche Studien zeigen, dass sich bei Vegetariern das Risiko für Krebs, Herz-Kreislauferkrankungen, Bluthochdruck, Gicht, Diabetes und Übergewicht reduziert und sich die Lebenserwartung deshalb durch eine vegetarische Ernährung zu erhöhen scheint. Außerdem versprechen sich viele Vegetarier durch eine bewusste Auswahl von hochwertigen, meist Bio-Lebensmitteln ihre Schadstoffaufnahme zu verringern. Auch Allergien gegen bestimmte tierische Nahrungsmittel können zum Vegetarismus führen

Leben Vegetarier tatsächlich gesünder?

Die Zusammensetzung der Nahrung

Vegetarier und Veganer verzehren in der Regel viel Obst, Gemüse und Vollkorngetreide und nehmen deshalb mehr (komplexe) Kohlenhydrate und Ballaststoffe zu sich. Bezüglich der ohnehin verminderten Fettaufnahme, werden bevorzugt pflanzliche und gesunde mehrfach ungesättigte Fettsäuren verwendet. Die Cholesterinzufuhr ist bei Veganern fast gar nicht und bei Vegetariern nur in einem geringen Maße vorhanden.

Auch wenn tierische Eiweißquellen vom Körper besser verwertet werden können, gibt es durch die vermehrte Aufnahme von pflanzlichen Proteinen meist keine Unterversorgung mit essentiellen Aminosäuren (Bausteine der Proteine).

Bezüglich der Vitaminversorgung ist zwar eine vermehrte Zufuhr von wichtigen Vitaminen (z.B. Vitamin B1, B9, A, C, E) und sekundäre Pflanzenstoffen zu beobachten, aber auch die Gefahr einer Unterversorgung von Vitamin B2, B12 und D, die hauptsächlich in tierischen Lebensmitteln enthalten sind.

Vegetarische Kost beinhaltet meist weniger Salz (Natrium und Chlorid) und mehr Kalium aus Gemüse, was den Blutdruck positiv beeinflussen kann. Die in Hülsenfrüchten und Getreide  vorhandene Phytinsäure und die, in vielen pflanzlichen Lebensmitteln vorhanden Oxalsäure können aber die Aufnahme von bestimmten anderen Mineralstoffen und Spurenelementen verschlechtern.

Ebenfalls kritisch kann die verminderte Aufnahme von Calcium (in Milchprodukten), Eisen (in pflanzlichen Lebensmittel nur gering vorhanden und schlecht verwertbar) und Jod (in Fisch und Milch) sein.

Die Vorteile

Insgesamt ernähren sich die meisten Vegetarier und Veganer (außer „Puddingvegetarier“) bewusster. Das ist auch wichtig, damit durch eine gezielte Auswahl von Lebensmittel mögliche Nährstoffdefizite vermieden werden.

Viele Untersuchungen weisen darauf hin, dass ernährungsbedingte Zivilisationskrankheiten aus den oben erwähnten Gründen bei Vegetariern vermindert auftreten. Das kann aber auch damit zusammenhängen, dass Anhänger der fleischlosen Kost ohnehin auf einen gesunden Lebensstil achten. Vegetarier und Veganer verzichten auch oft auf das Rauchen und den Alkohol und bewegen sich mehr.

Die Nachteile

Nur wer sich ausgiebig mit dem Thema Ernährung und Nahrungsmittelzusammensetzung auseinander setzt, weiß wie er Mangelerscheinungen (vor allem Eiweiß, Vitamin B12, D, Eisen, Kalzium) verhindern kann! Einfach mal auf Fleisch und tierische Produkte zu verzichten ohne entsprechende bewusste alternative Lebensmittelauswahl kann zu verschiedenen Krankheitsbildern führen: Müdigkeit, Appetitlosigkeit, Abmagerung, Immunschwäche, Osteoporose, Nahrungsallergien (aufgrund vermehrter Rohkostaufnahme), Asthma, Migräne.

Es gibt übrigens auch vollkommen gegenteilige Studien, z.B. aus Österreich (https://goo.gl/SJ3Gzm), die bei Vegetariern sogar eine größere Anfälligkeit für Krebs, Depressionen, Asthma und eine verminderte Lebensqualität festgestellt haben?!

Vegetarier und Veganer müssen beim Einkauf und Außerhausverzehr sehr genau auf die Inhaltsstoffe und Zutaten achten, um versteckte tierische Produkte auszuschließen! Das macht das tägliche Leben oft komplizierter!

Schwangere, Stillende und Kinder sollten bei einer vegetarischen oder veganen Kost ganz besonders darauf achten, ihren Nährstoffbedarf ausreichend zu decken.

Fazit

Wer tierische Lebensmittel reduziert oder sogar ganz streicht, muss sich sehr ausgiebig mit seiner Ernährung beschäftigen, um keine unzureichende Versorgung mit bestimmten wichtigen Nährstoffen zu riskieren. Wer das beachtet, kann als Vegetarier oder Veganer ohne Mangelerscheinungen dauerhaft durchs Leben gehen und – glaubt man der Mehrzahl der Statistiken – sogar vielen Krankheiten vorbeugen bzw. bestehende Krankheiten positiv beeinflussen (z.B. Bluthochdruck, erhöhte Cholesterinwerte, Adipositas).
Leider gibt es aber eine Menge der sogenannten „Puddingvegetarier“ ohne Hintergrundwissen, die sich hauptsächlich von industriell stark verarbeiteten „Fleisch-Nachbauten“ ernähren und ihrer Gesundheit damit nichts Gutes antun! Auch Sojaprodukte sind nicht immer eine gute Alternative!

Ernährungsphysiologisch und aus gesundheitlichen Gründen ist ein Flexitarier mit einer ausgewogenen Bio-Mischkost, d.h. viel frischem Gemüse und Obst, gelegentlichem aber hochwertigem Fleischkonsum, 2-3 x wöchentlich Fisch auf dem Teller (MSC-Siegel bitte beachten für nachhaltiges Fischen), Milchprodukten und Eiern eine gute Alternative. Meine Meinung über Zucker, zu viel Kohlenhydrate, Getreide bzw. Gluten habe ich ja in vielen Beiträgen bereits erläutert! Die Menschen, die sich aus ethischen oder religiösen Gründen für eine pflanzliche Ernährung entscheiden, haben mein vollstes Verständnis und meinen Respekt! Aber dann bitte mit viel Hintergrundwissen und einer ausgewogenen, bewussten Lebensmittelauswahl und Kombination!

Die 1. eigene Ernte: Gemüse

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